Explosivwaffen
Auch wenn der Krieg geht, bleiben die Bomben
⇣
Auch nach einem Angriff oder Konflikt verhindern explosive Kriegsreste eine sichere Rückkehr der Zivilbevölkerung, da Blindgänger noch jahrelang gefährlich sind. Explosivwaffen fordern täglich neue Opfer und führen zu verheerender Zerstörung von ganzen Stadtvierteln.
© T. Nicholson / HI
Was sind Explosivwaffen?
Als Explosivwaffen werden verschiedene Munitionsarten wie Fliegerbomben, Mörsergranaten, Raketen oder Artilleriegranaten bezeichnet. Auch Sprengfallen, Landminen sowie Streumunition gehören dazu. Sie haben meist eine verheerende Flächenwirkung, treffen nicht präzise und verwüsten oftmals große Bereiche. Sie töten und verletzen Menschen direkt oder auch indirekt durch einstürzende Gebäudeteile. Häufig bleiben sie als Blindgänger liegen und bedrohen die Bevölkerung noch viele Jahre nach Kriegsende.
Die erschreckenden Folgen
Wenn Explosivwaffen in Wohngebieten eingesetzt werden, stammen 90 Prozent der getöteten und verletzten Menschen aus der Zivilbevölkerung. Dies zeigen Daten des Internationalen Netzwerks zu Explosivwaffen (INEW). Handicap International ist Gründungsmitglied von INEW.
Im Jahr 2024 waren Zivilist*innen in mindestens 74 Ländern und Gebieten von Explosivwaffeneinsätzen betroffen. Das bedeutet, dass in jedem dieser Länder mindestens eine zivile Person getötet oder verletzt oder wichtige zivile Infrastruktur (wie z.B. Schulen und Kliniken) zerstört wurden. Dabei war 2024 vor allem die Zivilbevölkerung in den Palästinensischen Gebieten, aber auch im Libanon, in Myanmar, Sudan, Syrien und der Ukraine betroffen.
Diese Waffen verursachen schreckliches Leid. Wenn sie nicht zum Tod führen, fügen sie ihren Opfern Verletzungen zu, die oft zu lebenslangen Behinderungen und schweren Traumata führen. Explosivwaffen fordern nicht nur Menschenleben, sondern zerstören auch Häuser, Schulen, Krankenhäuser, die Energieversorgung oder Trinkwasseranlagen – also wichtige Infrastruktur.
Was sagt das humanitäre Völkerrecht?
Als Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg wurde im Genfer Abkommen IV festgelegt, dass in Konflikten weder die Zivilbevölkerung noch zivile Gebäude angegriffen werden dürfen. Die Anzahl ziviler Todesopfer oder Verletzter sowie Beschädigungen von zivilen Gebäuden muss begrenzt werden, indem das Prinzip der Verhältnismäßigkeit zwischen militärischem Ziel und potentieller Gefahr für die Zivilbevölkerung eingehalten wird und relevante Vorsorgemaßnahmen getroffen werden, um das Ausmaß von Angriffen einzugrenzen. Obwohl die Zivilbevölkerung laut Völkerrecht also unter besonderen Schutz gestellt wird, verursacht der derzeitige Einsatz von explosiven Waffen in Konfliktsituationen sehr viele zivile Opfer.
Was tut Handicap International?
Handicap International möchte den wichtigen Regelungen des Völkerrechts wieder mehr Gewicht verleihen und dafür sorgen, dass der Schutz der Zivilbevölkerung gestärkt wird. Deshalb engagieren wir uns als Teil der Kampagne INEW (Internationales Netzwerk zu Explosivwaffen ) für die Umsetzung des internationalen politischen Abkommens, das 2022 in Dublin von über 80 Staaten unterzeichnet wurde. Damit verpflichten sich die Staaten, ihre militärischen Richtlinien und Einsatzpraktiken zum besseren Schutz der Zivilbevölkerung anzupassen. HI war aktiv bei den beiden ersten Überprüfungskonferenzen beteiligt, um die Umsetzung des Dublin-Abkommens zu fördern.
Implementierung der politischen Erklärung
Nun steht die Implementierungsphase an, in der die Unterzeichnerstaaten ihre militärischen Politiken und Praktiken zur Vermeidung ziviler Oper anpassen sollen. Außerdem müssen sie die Umsetzung der humanitären Verpflichtungen der politischen Erklärung konkretisieren: Dabei geht es etwa um die Beseitigung explosiver Kriegsreste, die Unterstützung der betroffenen Menschen und den ungehinderten humanitären Zugang. Zusammen mit anderen Mitgliedern der INEW-Kampagne überwachen wir die Implementierung des Abkommens mit dem Explosivwaffen-Monitor . Zudem möchten wir erwirken, dass viele weitere Staaten das Abkommen unterzeichnen.
© Jaweed Tanveer / HI
Spenden Sie jetzt
Spendenservice